Mieten in Australien kommt einem ganz besonderen Erlebnis gleich. Man muss es einmal ausprobiert haben, sollte es aber nicht als Lebensaufgabe betrachten. Da das australische Mietrecht sehr vermieter-freundlich ist, kann man die schrägsten Dinge erleben. Jeder, der schon einmal eine Immobilie gemietet hat, kann seine ganz eigene Geschichte erzählen. Auch wir haben bereits unsere Erfahrungen damit gemacht.
In unserem allerersten Jahr in Australien und unserer zweiten angemieteten Wohnung – ein Prachtstück muss ich sagen – hat auch uns eines jeden Mieter’s Alptraum erwischt.
Unser Mietvertrag war 2 oder 3 Monate vor dem Vertragsende. Da der Vermieter das Appartment aus finanziellen Gründen verkaufen wollte, konnten wir keinen neuen Vertrag abschließen. Es wurde uns aber angeboten, den bestehenden Vertrag von Monat zu Monat mit eine Kündigungsfrist von 4 Wochen weiterlaufen zu lassen, bis ein Käufer gefunden worden wäre. Damit hatten wir kein Problem. Dies ist in Australien gängige Geschäftspraktik. Viele wohnen auf dieser Basis über Jahre in ihrer angemieteten Wohnung .
Recht bald darauf wurde uns dann auch mitgeteilt, dass eine Besichtigung stattfinden würde. Der engagierte Makler bat uns, einen passenden Termin zu nennen. Weil wir in der Woche arbeiten mussten, sagten wir ihm für den folgenden Samstag zu. Die Besichtigung verlief sehr ruhig. Da das Appartment relativ klein war, kamen ausschließlich Einzelpersonen und Paare.
Die Besichtigung blieb allerdings erfolglos. So wurde ein weiterer Termin anberaumt. Diesmal in der Woche, da bereits ein Interessent auf diesen speziellen Termin gedrungen hatte. Auch kein Problem, der Makler hatte ja einen Schlüssel, so dass wir nicht extra Urlaub nehmen mußten.
Auch dieser Termin führte nicht zum Verkauf der Wohnung. Eine dritte Besichtigung folgte auf dem Fusse. Dannach blieben plötzlich die Anfragen Seitens des Maklers aus und wir gingen davon aus, dass für die Wohnung wohl ein Interessent gefunden worden wäre.
Ein weiterer Monat verstrich und wir bekamen noch immer keine neuen Informationen. Das für die Vermietung zuständige Unternehmen, ein Agent, der nicht mit dem Verkaufsmakler zusammenarbeitete, teilte uns mit, dass der Vermieter, weiterhin an seinem Angebot der fortwährenden Verlängerung des Mietvertrages festhielte und daher wohl bisher kein Käufer gefunden worden wäre. Weitere Details hatte er aber auch nicht. Versprach aber, uns sofort über jede neue Information, die er erhielte, zu in Kenntnis zu setzen. Damit waren wir zufrieden. Da wir beide grad neue Jobs begonnen hatten, wollte wir nicht auch noch dem Streß eines kurzfristigen Umzugs entgegensehen.
Weitere Tage vergingen und da die kalte Jahreszeit herangerückt war, verzichteten wir an dem darauffolgenden Wochenende auf den sonst üblichen Ausflug in das Umland von Sydney. Am Samstag Vormittag gingen wir etwas shoppen, planten aber das Mittagsessen ganz entspannt zu Hause zu genießen.
Als wir am späten Vormittag mit unseren Einkäufen zurückkehrten und mit den Vorbereitungen für das Essen begannen, klopfte es plötzlich an der Tür. Zu unserem großen Erstaunen stand vor selbiger jener Markler, der sich über Wochen nicht gemeldet hatte. Doch er war nicht allein, mit ihm fieberte einer Horde von Kaufinteressenten einer bevorstehenden Besichtigung unseres Appartments entgegen. Uns blieb fast der Atmen weg!
Wir teilten ihm mit, dass wir über diese Besichtigung nicht informiert worden wären und uns ziemlich überfallen fühlten. Aber das schien ihn gar nicht zu interessieren. In einem völlig unpassenden Ton, behaarte er auf seinen Besichtigungstermin. Einerseits verständlich, immerhin hatte er sich an die 10 Kunden dafür geladen. Anderseits waren wir darüber nicht unterrichtet worden. Mussten ihm also laut Vertrag keinen Zugang zur Wohnung ermöglichen. Da die Situation für keinen der Beteiligten besonders schön war, und wir den Makler vor seinen Kunden nicht bloßstellen wollten, was wohl in seinem Falle gar nicht geschadet hätte, baten wir ihn rein, um diese Sache zu klären.
Kaum war allerdings die Tür geschlossen, legte er richtig los und erklärte, dass er doch jeden Samstag vorbeikäme und warum das jetzt auf einmal nicht mehr ginge. Es hätte uns doch all die Wochen nichts ausgemacht.
Ich glaub, in diesem Moment hätte man von uns ein Foto schießen müssen. Mit unseren schockverzerrten Gesichtern wären wir bestimmt berühmt geworden. Hatten wir vorher wenigstens noch nach Atmen japsen können! War dieser jetzt gänzlich weg.
Bei mir ratten nur so die Gedanken im Kopf: Fremde in meiner Wohnung + ohne mein Wissen + wie oft und wann …
Christian konnte sich noch am schnellsten wieder fangen und erklärte dem Makler höfflich, dass wir nie irgendeine Benachrichtigung über derartige Termine erhalten hätten und daher auch ganz gewiss nicht mit diesen einverstanden gewesen sein konnten. Was dann hieße, dass er sich während einer längerfristigen Periode immer wieder ohne unser Einverständnis Zugang zu der Wohnung verschafft hätte.
Ohne Argumente und in die Ecke getrieben, startet der Makler den Frontalangriff. Er erklärte, dass er erstens jederzeit eine Besichtigung verlangen kann, wenn es um Kaufangelegenheiten ginge und wir zweitens doch bereits vor 2 Monaten unsere Zustimmung zur Besichtigung gegeben hätten.
Ja, das hatten wir auch, aber nur zu den ersten 3 Terminen, die man uns jedes mal separat – wie vertraglich vereinbart - zwei Wochen im Voraus mitgeteilt hat. Von einer fortwährenden Besichtung war damals nicht die Rede und die hätte auch aufgrund unseres Mietvertrag nicht so einfach – nämlich so wie sich der Makler es vorstellte – stattfinden können.
Als wir dies dem guten Mann erklärten, rastet er gänzlich aus. Er wurde regelrecht ausfallend.
Wir ließen uns daher auf keine weitere Diskussion mit ihm ein, erlaubten aber noch jenen Kaufinteressenten, die in der Zwischenzeit noch nicht das Weite gesucht hatten, unsere Wohnung zu besichtigen. Denn schließlich konnten sie am wenigsten für das ungebührliche Verhalten des Maklers.
Am selben Abend berichteten wir dem Vermieter von diesem Vorkommnis und teilten ihm in schriftlicher Form mit, dass wir infolge dieses Ereignisses zum nächstmöglichen Termin ausziehen werden. Jeweils eine Kopie dieses Schreiben erreichte den Arbeitgeber des Maklers und den für die Vermietung zuständigen Agent. Letzterer eröffnetet uns, dass das Immobilienunternehmen, bei dem der Makler engagiert war, sich wohl wenig aus unserem Schreiben machen würde, da es schon desöfteren wegen solcher Geschäftsgebahren angezählt worden wäre.
Vier Wochen später haben wir schließlich unseren Schlüssel übergeben und all dem Ärger den Rücken gekehrt.













Kommentar von Sarah am 19. Juli 2009 um 10:23
Haha, so makaber die Geschichte ist, sie war unterhaltsam. Du solltest sie wirklich besser herausheben. Die geht ja sonst total unter!
… Nicht böse sein, aber vielleicht klappts dann auch mit den Kommentaren
Pingback von Mein Leben in Australien! » Nominiert als weltbester Blogartikel aller Zeiten am 3. August 2009 um 10:18
[...] Daher habe ich mich per Zufallsprinzip für einen meiner Artikel entschieden. Ob er lesenswert ist oder nicht, müßt Ihr selber entscheiden: “Wenn Mieten zum Alptraum wird” [...]