Typisch Australisch: Australier können nicht zu hören!
Ihr glaubt es kaum, so gut Australier den Smalltalk beherrschen, so wenig können sie aus diesen kleinen Gesprächen mitnehmen und was noch viel schlimmer ist, genauso wenig erkennen sie die Gefühle ihres Gegenübers und gehen entsprechend unsorgsam mit diesen um.
Feldexperimente von Kommunikationstrainern haben es immer wieder bewiesen, fragt man einen Australier nach einem beendeten Smalltalk, was er von seinem Gegenüber erfahren hat, ist es meist nicht mehr als der Name, der sich auf der Visitenkarte befindet. Auf die Sorgen und Bedenken des anderen wird während des Gesprächs zudem vielfach nur mit einem “Kenne ich auch, wird schon nicht so schlimm sein” reagiert.
Dies trifft sowohl für den extrovertierten Typus, als auch, was ungewöhnlich ist, für den introvertierten Menschen zu.
Und warum ist das so? Nun der rein extrovertierte Typ ist auch in Australien bestrebt möglichst viel von sich preiszugeben und zeigt daher wenig “Interesse” an den Belangen seines Gegenübers. Dagegen müßte aber eigentlich der introvertierte Australier ein fantastischer Zuhörer sein, da er bekanntlich der Konterpart des Extrovertierten ist. In Australien wird allerdings so viel Wert auf die “gesprochenen” Smalltalk-Fähigkeiten gelegt, dass der introvertierte Typ, nun krampfhaft versucht, sich auch in die Konversation einzubringen, anstatt das zu tun, was er am Besten kann: nämlich “Zuhören”. Dadurch geht auch an ihm das Thema der Konversation gänzlich vorbei. Gefühle des Gegenübers spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. Der Focus wird auf den fließenden Verlauf des Smalltalks beschränkt.
Unternehmen haben dieses Problem erkannt und versuchen durch gezielte Schulungen, die Kommunikationsfähigkeiten ihrer Mitarbeiter zu verbessern. Ist nichts Neues sagt Ihr?! Das habe ich auch gedacht.
Ähnliche Schulungen kannte ich natürlich bereits von meiner Zeit in der deutschen Wirtschaftprüfung und Automobilindustrie. Allerdings musste dort nie so stark auf das Thema Zuhören und Erkennen der Gefühle des Gegenübers eingegangen werden.Vielmehr wurden wir im Bereich der Gesprächskontrollfähigkeiten geschult. Also wie verhalte ich mich, wenn mein Gegenüber besorgt ist? Was sage ich, wenn mein Gegenüber verärgert reagiert? Wie kontrolliere ich das Gespräch an sich? Also man ging bereits davon aus, dass ich die Wechselwirkungen erkannt habe und mir der Gefühle meines Gegenübers bewußt war.
Als ich meine erste zweitägige Kommunikationsschulung in Australien besuchen durfte, war ich zunächst glücklich, da ich dachte, ich würde Ähnliches auch hier lernen. Dies hätte mir natürlich einige Startschwierigkeiten im australischen Berufsleben erspart. Ich hab allerdings nicht schlecht gestaunt, als ich feststellen musste, dass das gesamte Seminar nie über den Teil der Kommunikationstheorie hinausging, der die Wahrnehmung der Emotionen und Wechselwirkungen während des Gesprächs beschreibt.
Da ich in dieser Firma nur aushilfsweise beschäftigt war und nicht lang genug geblieben bin, um weitere Kommunikationsseminare zu besuchen, dachte ich, es wäre vielleicht nur das erste Seminar einer ganzen Schulungsreihe. Wie ich mittlerweile – u.a. auch durch die Seminarbesuche von Freunden – herausgefunden habe, versucht man in Australien vermehrt die Wahrnehmung während eines Gespräches zu schulen, um Australier wieder zum gezielten Zuhören zu bewegen. Meine Seminarerfahrung war durchaus kein Einzelfall!
Aus Australien
Abgelegt unter: Typisch Australisch! Tags: Alltag, Arbeitswelt, Smalltalk
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Kommentare zu "Typisch Australisch: Australier können nicht zu hören!"
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Geschrieben am: 27. Juli 2009 um 17:36Schreibe einen Kommentar