Australien am Rande des Abgrunds?
Der Blackfriday hat auch den letzten Australier aufgeschreckt. Nachdem schon eine Welle der Angst bei der letzten Zinssteigerung über den fünften Kontinent geschwappt ist, erwartet die Volkswirtschaft nun einen starken Einbruch der australischen Konsumfreudigkeit. Darunter wird vor allem der Einzelhandel leiden.
Hart getroffen hat es bereits den Finanzsektor. Wie überall in der Welt ist die globale Finanzkrise nicht spurlos an den australischen Banken und Kreditinstituten vorbeigegangen. Erste – wenn auch noch vereinzelte – Entlassungen standen an, Einstellungsstopps wurden verhängt und die Zahl der arbeitssuchenden Finanzexperten wird durch jene erhöht, die bis vor Kurzem noch in den Staaten und UK beschäftigt waren und nun zurückkehren müssen.
Auch die ersten großen Beratungsunternehmen sehen von weiteren Einstellungen ab. Die Presse munkelt bereits von einer Verdoppelung der Arbeitslosigkeit innerhalb des nächsten Jahres. Starke Auswirkungen wird dies auf die Lohnpolitik haben. Der Dollar wird sich längst nicht mehr so leicht wie in den letzten Jahren verdienen lassen. Gehaltserhöhungen werden zukünftig wohl eher schmächtig ausfallen und nur noch die erfahrenen Kräfte werden sich ihre Jobs aussuchen können.
Sprich, Australien steht nun auch vor Problemen, die in Europa und Amerika längst Alltag sind!
Doch wie werden die meist hoch verschuldeten Familien damit umgehen? Anders als in Deutschland leben bereits heutzutage viele auf Kredit. Zudem ist die soziale Absicherung von Seiten des Staates längst nicht so stark vorhanden. Bestes Beispiel ist der Gesundheitssektor: Kranke erwarten selbst mit privater Versicherung noch erhebliche “Out-of-pocket”-Beträge. Wer Kinder hat, muss mit immensen Schulkosten rechnen, will er seine Sprößlinge nicht in eine Public-School schicken. Und welcher Australier tut dies gern, kommt es doch einer “sozialen Bankrotterklärung” gleich.
Schwappt die Finanzkrise in größerem Maße auf den Arbeitsmarkt über, wird wohl auch die Immigrationsrate stärker reguliert werden müssen. Und könnte durch eine solche Krise nicht auch die Stimmung gegenüber Ausländer umschlagen? Bereits jetzt stehen über 20% der Australier der Einwanderungspolitik kritisch gegenüber …
Interessant ist auch die Frage nach der zukünftigen Familienpolitik? Diese Finanzkrise könnte auch die Familienplanung der Australier beeinflussen. Wer wird sich mit hohen Schulden im Gepäck und der Aussicht auf einen schlecht bezahlten Job noch Kinder “leisten”?
Natürlich ist jetzt noch nicht abzusehen, wo die Finanzkrise in Australien hinführt, dennoch sind diese Probleme nicht nur hypothetischer Natur. Viele Industriestaaten kämpfen mit ihnen bereits seit Jahren oder sogar seit Jahrzehnten.
Aus Australien
Abgelegt unter: Leben und Arbeiten in Australien
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