Arbeitswelt in Australien: Sollten Arbeitgeber ihren Pflichten konsequenter nachkommen?
Eigentlich wollte ich gar nicht über die sogenannte Schweinegrippe schreiben, aber der Einfluss, den diese Erkrankung auf das Arbeitsrecht haben könnte, ist doch von hohem Interesse für mich. Und so nehme ich diese Krankheit zum Anlass, um über ein Thema zu schreiben, dass mich schon lange beschäftigt hat.
Wie heut morgen in der SMH zu lesen war, können Arbeitnehmer unter Umständen, wenn sie sich am Arbeitsplatz mit der Grippe infizieren und ernsthaft erkranken, Entschädigungszahlungen von ihrem Arbeitgeber bzw. dessen Versicherung einfordern. Zu diesem Umständen zählt natürlich der Beweis, dass sie sich tatsächlich am Arbeitsplatz infiziert haben. Welcher mitunter schwierig werden könnte.
Aber diesen Aspekt außer acht gelassen, ist die Konsequenz von Entschädigungszahlungen für derartigen Infektionen nicht naheliegend? Immerhin muss auch der australische Arbeitgeber für Schäden einstehen, die sich seine Arbeitnehmer am Arbeitsplatz zu ziehen. Bricht man sich ein Bein im Büro, würde eine Entschädigungszahlung ganz natürlich sein. Warum wird aber eine Entschädung für eine Grippe-Infektion so selten in Betracht gezogen?
Warum sollen Arbeitnehmer, die sich bei ihren kranken Kollegen infiziert haben, schließlich ihre Arztkosten oder die unbezahlten Krankheitstage selber tragen? In einer Zeit, in der nicht nur das australische Gesundheitswesen immer teuerer wird, scheint dies doch sehr unfair. Immerhin ist es Aufgabe des Arbeitgebers, für das Wohlergehen seiner Arbeitnehmer am Arbeitsplatz zu sorgen. Dennoch, die wenigstens Arbeitgeber kommen dieser Pflicht in Hinblick auf scheinbar “ungefährliche” Infektionskrankenheiten nach. Oder wie oft habt Ihr bereits erlebt, dass Eurer erkälteter Kollege nach Hause oder besser zum Arzt geschickt wurde, um abklären zu lassen, dass keine Grippe im Spiel ist? Schlimmer noch wie oft ist es Euch passiert, dass Ihr Euch selbst bei den Kollegen mit Erkältungen und Grippe angesteckt habt und die Kosten für die Genesung selbst tragen musstet?
Natürlich würde es für die Arbeitgeber teuer werden, wenn sie jede derart “verschuldete” Erkältung oder Grippe entschädigen sollten. Daher muss das Rechtssystem an dieser Stelle eine Interessenabwägung durchführen.
Aber sollten Arbeitgeber nicht trotzdem dafür sorgen, dass ihre gesunden Mitarbeiter auch gesund bleiben. Dies gehört in ihren Pflichtbereich. Auch wenn sich nicht immer Entschädungen aus einer Pflichtverletzung ergeben, darf man Pflichten nicht leichtfertig vernachlässigen. Und schließlich ist es auch für den Arbeitgeber immer noch kostengünstiger, lieber einmal einen erkälteten Arbeitnehmer nach Hause zu schicken, als im weiteren Verlauf fünf Krankmeldungen zu bekommen?! Oder wie in besagten Artikel in der SMH dargestellt, die “Verantwortung” für einen Aufenthalt in der Intensivstation oder sogar für einen Todesfall zu übernehmen.
Wie gewönlich seid Ihr natürlich eingeladen, Eure Gedanken zu diesem Thema kundzutun. Bitte, benutzt die Kommentarfunktion!
Aus Australien
Abgelegt unter: Leben und Arbeiten in Australien Tags: Alltag, Arbeitswelt
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Kommentare zu "Arbeitswelt in Australien: Sollten Arbeitgeber ihren Pflichten konsequenter nachkommen?"
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Kenn ich, jedes Jahr wieder. Aber solang man sich noch auf den Füssen hält, interessierts keinen.
Geschrieben am: 19. Juli 2009 um 10:19Schreibe einen Kommentar