Arbeiten in Australien: Das 1×1 des Kündigens
Australier sind dafür bekannt, dass sie gern und schnell ihren Job wechseln. Die weltweite Wirtschaftskrise hat zwar dazu geführt, dass auch sie vorsichtiger geworden sind, trotzdem zögern Australier immer noch nicht lang mit der Kündigung, wenn ein gutes Angebot ins Haus flattert.
Anders als wir Deutschen empfinden sie weniger Bindung zu ihrem Arbeitgeber. Ob ein Nachfolger gefunden ist oder nicht, sie würden auf ihre Kündigungsfrist mit Sicherheit drängen. Ich habe sogar von Fällen gehört oder auch selbst erfahren, wo Mitarbeiter bereits am nächsten Tag nicht mehr zur Arbeit erschienen sind. Ob dieses Verhalten richtig oder falsch ist, sei dahingestellt, allerdings muss ich sagen, kann ich die Denkweise, die dahinter steckt, verstehen. Denn stellen wir uns mal vor, die Lage wäre umgekehrt und der Arbeitgeber würde seinen Mitarbeiter gern loswerden wollen. Würde er zögern, den betreffenden Angestellten zum nächstmöglichen Termin oder sogar noch früher vor die Tür zu setzen?
Anmerkung: Die folgende Zusammenstellung beruht auf meinem Erfahrungsschatz, es ist keine rechtsverbindliche Auskunft. Im Zweifelsfall solltet Ihr Euch immer professionelle Unterstützung anfordern.
Eine Erfahrung aus der ich meine Lehren zog
Ich habe einige Zeit als Contractor gearbeitet, meine Kündigungsfrist betrug eine Woche. Für den Arbeitgeber, war dies natürlich sehr vorteilhaft, da er mich jederzeit bei mangelnder Auftragslage hätte kündigen können.
Als nun meine täglichen Arbeitszeiten bei diesem Arbeitgeber ins “Unermeßliche” anwuchsen und trotz wiederholter Gespräche mit meinem Vorgesetzten keine Änderung in Sicht zu sein schien, habe ich mich zur Kündigung entschlossen. Wie gesagt, ich musste als Contractor nur eine Woche im Voraus auf meine Kündigung verweisen. Als Deutsche jedoch fühlte ich mich bei solch einer kurzen Frist recht unwohl und gab natürlich dem Bitten meines Arbeitgebers sofort nach und blieb weitere Wochen in dem Unternehmen beschäftigt. An meinem täglichen Arbeitspensum änderte sich während dieser Zeit natürlich nichts. Als jedoch der Arbeitseifer meiner Kollegen nachließ und ich immer öfter am Abend allein im Büro saß, hätte mir das zu denken geben sollen.
Denn während ich versuchte der Arbeit herr zu werden, haben meine australischen Kollegen die Reißleine gezogen und trotz Festanstellung und Kündigungsfristen von 2 bis z.T. 4 Wochen noch vor mir die Firma verlassen.
Aus dieser Erfahrung habe ich meine Lehren gezogen. Egal, was das Gewissen sagt und der Respekt gebietet, letztendlich zählt, was auf dem Papier steht. Und darauf sollte man genau wie die Australier drängen.
Wem gegenüber kündigt man?
Wenn Ihr mit dieser Mentatlität auch Eure Problem habt und Euch das Gewissen in die Quere kommt, kann ich Euch nur sagen, dass es dafür überhaupt keinen Grund gibt. Laßt Euch durch Freunde und Bekannte in Eurer Entscheidung bestärken. Und dann sprecht die Sachlage zunächst mit Eurem direkten Vorgesetzten durch. Zeigt er sich wenig einsichtig, hilft oft der Gang zum Personalverantwortlichen. Dieser weiß, dass man einen Arbeitnehmer, der gehen will, nicht halten kann und wird daher die Kündigung sofort akzeptieren. Auch bei mir war dies schließlich der Fall.
Die Kündigung würde ich aus rechtlichen Gründen immer schriftlich untermauern. Auch wenn dies in manchen Branchen und Unternehmen in Australien eher unüblich ist.
Das Kündigungsschreiben
In dem Kündigungschreiben habe ich mich für die Zeit bedankt, die ich in dem jeweiligen Unternehmen verbracht habe und hinsichtlich der Kündigung auf die gesetzlich bzw. vertragliche vereinbarte Frist verwiesen. Wenn Ihr wollt könnt Ihr natürlich auch noch einen Grund angeben. Das wird aber nicht erwartet.
Letztendlich ist das Kündigungschreiben nicht mehr als 4 Zeilen lang. Und in vielen Branchen wird es wirklich nur als ein Formakt neben dem gesprochenen Wort angesehen.
Was passiert nach der Kündigung?
Nun gut, Ihr müßt damit rechnen, dass sich das Verhalten Eures Chefs vorübergehend “einwenig” ändern kann. Dies ist für Australien nicht ungewöhnlich! Aber da müßt Ihr durch. “Mobbing” kann einem überall passieren, auch ohne Kündigung!Versucht einfach in der verbleibenden Zeit Eure Arbeit genauso professionell und zuverlässig abzuarbeiten, wie Ihr das auch zuvor getan habt. Dann wird sich die Laune Eures Vorgesetzen auch relativ schnell wieder erholen. Die Kollegen verstehen meist Eure Entscheidung sehr gut, so dass Ihr hier einen gewissen Rückhalt erwarten könnt.
Ansonsten werden Euch am letzten Tag Laptop, Arbeitsunterlagen und -geräte sowie Eure Mitarbeiterchipkarte abgenommen, so dass Ihr Euch um nichts weiter zu kümmern braucht. Wenn Ihr Eure Arbeit gut gemacht habt, gibt es ein Abschiedsessen, ein Geschenk oder ein paar Blumen. Wenn nicht, seid auch nicht traurig! Vielleicht lag es ja an der derzeitigen Wirtschaftslage ![]()
Was ist mit den Sperrklauseln?
In der australischen Senioren- und Managerebene sind Sperrklauseln weiter verbreitet als in Deutschland.
Selbst ich, als Contractor, mußte per Vertrag unterschreiben, dass ich eine gewisse Zeit (meist 3 bis 6 Monate) nach Kündigung nicht in derselben Branche tätig sein werde. Dies ist natürlich relativ schwachsinnig. Denn wie soll ein Contractor sonst sein Geld verdienen. Immerhin ist sein Job darauf angelegt, in einer Branche immer wieder aushilfsweise bei den Unternehmen einzuspringen. Daher sehen die meisten Unternehmen diese Sperrklauseln nicht so eng.
Allerdings kommt dies natürlich auch auf den Tätigkeitsbereich an. Hat man viel mit Kundenakquise und geheimen Daten zu tun, muss man, damit rechnen, dass die vertraglich vereinbarten Sperrklauseln letztendlich einzuhalten sind. In solchen Fällen würde ich immer einen Rechtsanwalt hinzuziehen.
Aus Australien
Abgelegt unter: Leben und Arbeiten in Australien Tags: Arbeitswelt, Kündigung
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