Alles geben für ein Leben in Australien?
Australien ist schön und einzigartig. Das ist sicher nicht zu bestreiten. Aber ist es wirklich derart besonders, dass einige Deutsche alles versuchen, jeden Strohhalm greifen, um sich in Australien “an Land ziehen” zu können. Sich von einem Visum zum anderen zu hangeln, nur um noch einwenig länger bleiben zu können und doch ständig in der Angst zu leben, dass der Traum innerhalb eines Monat vorbei sein kann und die australische Einwanderungsbehörde die Koffer für sie packt.
Natürlich ist ein Leben in Australien etwas anderes als in Deutschland, aber es ist längst nicht der Traum von verrückten Surfern, die von morgens bis abends auf den Wellen reiten oder Strandnixen, die den ganzen Tag in der Sonne baden. Auch die endlosen Fahrten durch’s Outback sind nicht der Alltag in Australien.
Das Leben hier wird von starken gesellschaftlichen Strukturen bestimmt. Strukturen, in die ein “temporärer Einwohner” nicht hineinpasst und gesetzlich auch nicht hineingelassen wird! Ohne PR (Erlaubnis zum permanenten Aufenthalt) ist man vielfach nur ein geduldeter Gast. Jedoch kann man in dieser Position nicht wirklich den Vorstellungen der Australier gerecht werden, deren Leben so sehr durch die Gesellschaft vorgeplant zu sein schein. Anders als in Deutschland wird immer noch früh geheiratet, mit Mitte Zwanzig wird die erste Immobilie gekauft und viele werden ihr ganzes Leben daran abzahlen müssen. Arbeiten tun auch die jungen Mütter, zum einen weil es das gesetzliche Elternjahr nicht gibt, zum anderen weil der Kredit für’s Haus abgezahlt werden will. Eine enorme Herausforderung bedenkt man, dass die Mehrzahl der Familien 2 bis 3 Kinder hat.
Neben all dem entspricht es aber auch den australischen Vorstellungen, dass man sich aktiv in der Gesellschaft “bewegt”. Vielfach sind Australier gleich in mehreren Vereinen oder Sportclubs Mitglied.
Will man Karriere machen, muss man wahrscheinlich noch stärker als in Deutschland networken und socializen. Abendliche Treffen von Berufsorganisationen und Interessenverbänden, mit potentiellen Geschäftspartnern oder Lerngruppen sind eher Alltag als Ausnahme. Genau wie in Deutschland wird auf Titel und Examen wertgelegt. So sollte sich z.B. jeder Accountant (egal ob Wirtschaftsprüfer oder einfacher Bilanzbuchhalter) früher oder später dem CA-Examen stellen.
Also warum versuchen einige Deutsche so krampfhaft einen Halt in Australien zu finden, wenn sie genau so ein Leben in Deutschland bemängeln und hier einen Rechtsstatus besitzen, der ihnen sogar den Kauf von immobilen Eigentum verwehrt? Der ihnen bei einigen Visa-Klassen, den Arbeitsplatz oder Wohnort vorschreibt. Ich stell mir immer vor, was diese Leute tun würden, wenn man ihnen in Deutschland sagen würde, dass sie nur irgendwo in ländlicher Gegend in Brandenburg oder Holstein leben dürfen, weil dort ihre Berufsgruppe benötigt wird? Oder dass sie bei jedem Jobwechsel, die Einwanderungsbehörde informieren und ihre Erlaubnis einholen müssen, weil sie ein Arbeitgeber gesponsortes Visum haben? Würden sie es auch so einfach hinnehmen?
Update Juli/2010: Mittlerweile ist der Kauf von Eigentum für temporäre Einwohner unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Auch ein “Babyurlaub” für Mutter oder Vater wurde eingeführt. Dafür sind z.B. Gesundheitskosten gestiegen.
Aus Australien
Abgelegt unter: Leben und Arbeiten in Australien Tags: Allgemein, Leben, Visa
Bookmark den Artikel: del.icio.us
| Digg it
| reddit
| Tweet This


Kommentare zu "Alles geben für ein Leben in Australien?"
Abonniere die Kommentare per RSS or TrackBack to 'Alles geben für ein Leben in Australien?'.
[...] Wollten wir doch eine Sicherheit haben, dass wir auch längerfristig ohne weiteres “Visahopping” bleiben könnten, wenn es uns in unserer selbstauferlegten Probezeit von einem Jahr gut [...]
Geschrieben am: 10. August 2009 um 10:27Schreibe einen Kommentar